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Warum gute Mitarbeiter innerlich kündigen, lange bevor sie wirklich gehen

bkiffner
9. Juni
3 Min. Lesezeit

Ich glaube, für viele ist das Thema innere Kündigung nichts Neues. Fast jeder hat es schon mal erlebt. Im Team. Bei Kollegen. Vielleicht sogar bei sich selbst. Die meisten stellen sich innere Kündigung aber falsch vor. Viele denken dabei an Menschen, die nur noch das Nötigste machen, ständig genervt sind oder schon mit einem Bein aus der Tür stehen. Die Wahrheit ist meist eine andere:

Innere Kündigung beginnt nicht mit der Kündigung. Sie beginnt viel früher und meistens ziemlich leise.


Wenn wir uns mal in die Situation von Menschen hineinversetzen, die innerlich kündigen, dann startet das oft nicht mit Frust oder sogar Wut. Es beginnt eher mit kleinen Gedanken:


·         „Warum muss ich schon wieder Spätschicht machen?“

·         „Warum darf ich ständig schlechte Vorbereitung anderer ausbaden?“

·         „Warum bin immer ich verantwortlich?“

·         „Warum wird mein Einsatz eigentlich als selbstverständlich gesehen?“


Das sind erstmal nur Gedanken aber genau dort beginnt oft ein Prozess.

Aus Motivation wird langsam Frust. Aus Engagement wird Zurückhaltung.

Und irgendwann verändert sich etwas. Die Arbeitsqualität wird anders, nicht unbedingt sofort schlecht. Aber Herz und Kopf sind nicht mehr komplett dabei. Danach kommt oft die Phase, die viele Führungskräfte falsch interpretieren:


·         Mehr Kritik.

·         Mehr Augenrollen.

·         Mehr Seufzen.

·         Mehr dieses typische: „Ja ja …leck m…“


An dieser Stelle denken viele: „Der ist halt schlecht drauf.“

Vielleicht stimmt das. Vielleicht steckt aber auch schon deutlich mehr dahinter. Denn oft beginnt genau hier bereits der innere Rückzug. Menschen reden weniger. Sie bringen weniger Ideen ein. Privates bleibt privat. Man zieht sich zurück und aus Teamplayern werden langsam Einzelkämpfer.

Aber warum passiert das überhaupt?

Weil Menschen irgendwann lernen, dass sich Einsatz aus ihrer Sicht nicht mehr lohnt.

Die Ideen die man einbringt versanden und dein Feedback verpufft. Die Belastung bleibt gleich oder steigt sogar und das Lob wird seltener. Probleme wiederholen sich und irgendwann schaltet das Gehirn in einen Energiesparmodus. Warum Energie investieren, wenn sich gefühlt sowieso nichts verändert?

Genau dort kippt Engagement langsam in Distanz und es passiert etwas Entscheidendes:

Die Person sucht nicht mehr nach Lösungen sondern nach Auswegen.

Spätestens hier wird es kritisch. Denn zwischen innerlicher Kündigung und der schriftlichen Kündigung liegen oft nur noch wenige Schritte um nicht zu sagen ein Papierdruck entfernt. Gerade deshalb sind diese kleinen bis mittelgroßen Warnsignale wichtig.

Vor allem für Führungskräfte. Ja, jetzt wird es vielleicht unbequem. Führung hat einen entscheidenden Anteil an diesem Prozess. Nicht an allem aber an vielem. Führung beeinflusst Fairness, Kommunikation, Belastung, Anerkennung, Entwicklungsmöglichkeiten und Teamkultur. Genau hier entstehen oft die Probleme. Nicht durch die eine große Fehlentscheidung, sondern durch viele kleine Dinge.

·         Wenn Dienstpläne dauerhaft unfair wirken.

·         Wenn immer dieselben Mitarbeitenden einspringen.

·         Wenn Kritik selbstverständlich ist, Anerkennung aber selten.

·         Wenn Mitarbeitende nur gehört werden, wenn Probleme eskalieren.

·         Wenn Führung nur reagiert statt begleitet.

Dann entsteht Abstand. Nicht plötzlich eher schleichend. Kann man das verhindern?

Ja, aber nicht mit Obstkorb und Motivationssprüchen. Die Prävention beginnt deutlich früher.

Die Menschen müssen wissen:


  • Werde ich gehört?

  • Werde ich fair behandelt?

  • Kann ich Probleme ansprechen?

  • Habe ich Entwicklungsmöglichkeiten?

  • Ist meine Belastung dauerhaft tragbar?


Und noch wichtiger: Führung muss früher hinschauen.

Nicht erst bei Kündigungen. Nicht erst bei Konflikten. Nicht erst wenn jemand komplett dichtmacht.


Die wichtigere Frage lautet: Wann hat die Person innerlich angefangen zu gehen? Wenn jemand schon in diesem Prozess steckt, kann man das umkehren? Manchmal ja. Vorausgesetzt wenn man ehrlich hinsieht. Menschen holen sich Motivation selten über Druck zurück. Sie holen sie zurück über Beteiligung, Fairness und echtes Zuhören. Auch über sichtbare Veränderungen. Manchmal auch einfach darüber, dass endlich jemand fragt „Was brauchst du gerade, damit Arbeit wieder besser wird?“


Was ich in Coachings oft sehe: Viele Führungskräfte erkennen die Warnsignale erst sehr spät. Nicht aus böser Absicht. Sondern weil sie selbst mitten im Chaos stecken. Genau deshalb schauen wir gemeinsam darauf:

·         Wo kippen Teams langsam weg?

·         Welche Dynamiken laufen unbewusst?

·         Und welche kleinen Veränderungen verhindern große Probleme?

Denn innere Kündigung beginnt selten laut. Sie beginnt leise und genau deshalb wird sie so oft zu spät erkannt.


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