top of page

Warum du im Job plötzlich nicht mehr du selbst bist

bkiffner
12. Mai
3 Min. Lesezeit

Oder anders ausgedrückt: Warum man privat oft nicht mehr derselbe Mensch ist. Ich denke, das kennen viele. Irgendwie merkt man selbst, dass sich etwas verändert hat. Im Job ist man weniger motiviert, weniger kreativ und oft auch weniger inspiriert als früher. Im privaten Umfeld wird man ruhiger, zurückgezogener oder einfach weniger offen als sonst. Aber auch unzufriedener, genervter, um nicht zu sagen angepisst von Dingen, und man weiß gar nicht warum bzw. woher das kommt. Dann kommt irgendwann dieser leise Moment, in dem man sich selbst kurz fragt, ob man eigentlich noch derselbe Mensch ist wie früher. Na dann erstmal Glückwunsch, wenn dir das überhaupt schon aufgefallen ist. Und gleichzeitig: Es tut mir leid, denn du bist einer der Letzten, dem das aufgefallen ist. Es passiert deutlich mehr Menschen, als man denkt.

Woher kommt diese Veränderung eigentlich? Die kurze Antwort: aus deinen eigenen Erfahrungen, die du gemacht hast. Die etwas ehrlichere Antwort: aus dem System (deinem Umfeld), in dem du arbeitest und dich bewegst. Ich sehe das sowohl aus meiner eigenen Zeit in der Küche als auch heute in meinen Coachings immer wieder.


Viele Menschen erleben genau diese Veränderung zwischen Job und Privatleben und wissen meistens nicht warum. Im privaten Umfeld erzählst du vielleicht von deinem Job, von langen Arbeitszeiten, hohem Druck, Stress im Betrieb, von Konflikten im Team oder vom Schichtsystem und der Belastung. Und oft kommt dann genau die Reaktion zurück: ein skeptischer Blick, ein kurzes „Aha“ oder schlicht Unverständnis oder besser gesagt Ungläubigkeit. Nicht unbedingt böse gemeint, aber spürbar. Denn viele haben keine Vorstellung, wie es ist, in der Gastro zu arbeiten. Die einzige Vorstellung davon kommt bei vielen leider aus einem dunklen, eckigen Kasten namens Fernseher und hat mit der echten Realität oft wenig zu tun. Und genau daraus entsteht etwas Entscheidendes. Irgendwann fängst du an, weniger zu erzählen. Weniger Erklärungen, weniger Details, weniger Emotion. Nicht bewusst, sondern schleichend. Einfach weil du merkst, dass dein Umfeld dich in dieser Welt nicht wirklich versteht. Deswegen berichtet man als „Schutz“ einfach wenig bis gar nichts mehr.

Im Job selbst passiert etwas Ähnliches. Du kommst vielleicht motiviert rein, hast Ideen, Verbesserungsvorschläge, Lösungen, Energie. Und triffst dann oft auf Reaktionen wie „Das haben wir schon immer so gemacht“, „Das ist zu viel Aufwand“ oder auch einfach stille Ablehnung in Form von verschobenen Gesichtszügen. Man wird nicht nur für seine Arbeit bewertet, sondern auch für seine Haltung. Und irgendwann passiert etwas sehr Menschliches: Man passt sich an. Nicht, weil man es bewusst will, sondern weil es einfacher ist. Aus Motivation wird Funktionieren. Aus Kreativität wird Zurückhaltung. Aus Klarheit wird Anpassung. Und irgendwann merkt man, dass man zwar noch da ist, aber nicht mehr ganz so präsent wie früher. Nicht im Sinne von schlechter, sondern im Sinne von leiser.


Der eigentliche Kern dahinter ist dabei ziemlich klar: Viele verlieren nicht ihre Persönlichkeit, sie verlieren im System den Raum, sie zu zeigen. Und genau das führt dazu, dass sich das eigene Verhalten langsam verändert. Im Job und oft auch darüber hinaus. Was ich in meinen Coachings genau an dieser Stelle oft mache, ist kein „Zurückverändern“. Es geht nicht darum, wieder der Mensch von früher zu werden. Sondern darum, zwei Dinge klar voneinander zu trennen: Was gehört wirklich zu dir und was hast du dir nur angewöhnt, um im System besser zu funktionieren. Wir schauen gemeinsam darauf, wo du dich selbst zurücknimmst, wo du automatisch in Anpassung gehst und wo du eigentlich längst mehr Raum einnehmen könntest. Nicht theoretisch, sondern im echten Alltag. Denn der entscheidende Punkt ist nicht, dass du dich verändert hast. Sondern, dass du wieder bewusst entscheiden kannst, wie du im Job auftreten willst, ohne dich dabei selbst zu verlieren. Am Ende bleibt eine einfache, aber ehrliche Frage: Du wirst im Job nicht jemand anderes. Du wirst jemand, der gelernt hat, sich anzupassen. Und genau diese Anpassung ist nicht automatisch schlecht. Die Frage ist nur: Hilft sie dir noch oder nimmt sie dir langsam mehr, als sie dir gibt?


Wenn du herausfinden willst, ob du gerade im „Anpassungsmodus“ bist, stell dir ehrlich diese 3 Fragen:

·         Spreche ich im Job genauso offen wie privat?

·         Halte ich mich zurück, obwohl ich eigentlich eine Meinung habe?

·         Tue ich Dinge eher aus Gewohnheit oder aus Überzeugung?

 

Wenn du mindestens eine Frage mit „Ja“ beantwortest, bist du wahrscheinlich nicht du selbst, sondern funktionierst gerade eher im System. Und genau jetzt beginnt deine Veränderung.


Kommentare


bottom of page