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Chaos im Probekochen – oder wie Ego die Küche lahmlegt

bkiffner
17. März
2 Min. Lesezeit

Situation: Küche. Eigentlich banal. Eine neue Speisekarte, Probekochen und Fotoshooting der Gerichte. Klingt harmlos, oder? War es am Anfang auch. Ich habe meine Gerichte entwickelt, gekocht, rezeptiert und Probeteller gemacht. Dann ging’s zum Probekochen und plötzlich wurde aus „harmlos“ ein Chaos.


Plötzlich tauchte jeder auf, der „etwas beitragen“ wollte: Serviceleiter und Stellvertreter, klar die haben das Recht dabei zu sein. Dann der Rezeptionsleiter, das Housekeeping, der Direktor mit Assistentin und noch ein paar Menschen, die eigentlich gar nichts mit der Küche zu tun hatten. Nachdem sie sich wie eine Herde Heuschrecken den Bauch vollgeschlagen und Teller sowie alles im Umkreis von 50 cm eingesaut hatten, wollte jeder kommentieren, verbessern, seine Meinung kundtun.


Ein Beispiel: Ein Gericht war Ton in Ton in grün. Genau so geplant und abgestimmt. Die Assistentin des Direktors fand es „zu einfarbig“ und schlug vor, irgendwas Rotes draufzupacken: Rosa Pfeffer, eine Tomate und eine frittierte Spaghetti, weil sie das im Fernsehen schön fand. Ich sollte das bitte neu machen! Direktor und sein Stellvertreter sprangen mit auf und ich stand da, als würde man mir vor allen die Kompetenz absprechen.

Da platzte mir der Kragen: „Mir ist eure Meinung realtiv Wurst, ich habe den Auftrag bekommen, das Konzept umzusetzen. Wer echte Kritik hat – von einem Fachkollegen –, der bekommt meine volle Aufmerksamkeit. Aber alle anderen, die gerade ihren Ego-Auftritt abziehen, bitte wischt euch die Reste aus Mundwinkeln und vom Hemd und geht wieder in eure Löcher.“ Ernste Mienen inklusive. Plötzlich war ich die ganze Woche der Buhmann. Nur weil ich nicht beim Spiel der Fake-Experten mitgespielt habe.


Im Nachhinein weiß ich: Der Ton war nicht optimal, das verstehe ich heute viel besser als damals (Mitte/Ende 20). Ich hätte souveräner kommunizieren können. Aber ich war enttäuscht von meinem direkten Vorgesetzten, der danebenstand und nichts sagte und auch von seinem Stellvertreter, der still wie eine Kirchenmaus blieb. Ein Learning: Es geht nicht nur darum, wie Kritik geäußert wird, sondern auch darum, wie Führung hinter dem Team steht.

Die Herausforderung war, mein Konzept zu verteidigen und den Menschen in höheren Hierarchien meine Entscheidungen zu erklären, ohne mich zu verbiegen. Der Teller hatte alles für sich: Konzept, Konsistenzen, Formen, Temperatur, Geschmack und die passende Weinbegleitung. Ich wollte kein „schön buntes Pippi-Langstrumpf-Gericht“ kochen, nur um irgendwelchen Egos zu gefallen.

Learning: Egal wie groß das Team ist oder wie toll Meetings und Teamkultur beschrieben werden, am Ende bist du oft allein. Manche Egos sind größer als der Wille, sich wirklich zu verbessern. Das hat mich geprägt: Ich wollte nie so werden. Meine zukünftigen Ideen behielt ich für mich, bis ich sie in einem Umfeld einsetzen konnte, in dem Expertise und Wertschätzung wirklich zählen.


Humorvoll, augenzwinkernd und reflektiert: So ein Tag zeigt, warum klare Kommunikation, Rückendeckung durch Führungskräfte und Wertschätzung für Expertenwissen so wichtig sind. Ego-Spielchen in der Gastro helfen niemandem außer, dass sie Energie rauben. Am Ende habe ich mitgenommen: Man darf sich durchsetzen, seine Meinung vertreten, Entscheidungen erklären und trotzdem menschlich bleiben.


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