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Verantwortung tragen, ohne sich selbst kaputt zu machen

  • bkiffner
  • 17. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Die Gastronomie ist eigentlich ein verdammt schönes Arbeitsumfeld. Du hast mit unendlich vielen Persönlichkeiten zu tun, als Kollege, als Führungskraft, als Ansprechpartner für Gäste, Lieferanten oder Vorgesetzte. Kein Tag ist wie der andere, Abwechslung, Dynamik, Tempo. Das ist eine der großen Stärken dieser Branche. Und ja, Verantwortung gehört dazu. Verantwortung kann etwas Gutes sein: Sie gibt Sinn, Stolz, Identität. Sie zeigt, dass dir etwas anvertraut wird, dass man dir zutraut, Entscheidungen zu treffen, Abläufe zu steuern und Menschen zu führen. Verantwortung bedeutet Einfluss und die Möglichkeit, Dinge besser zu machen. Aber wie bei so vielem hat auch diese Medaille eine Kehrseite. Druck, Stress, Erwartungen und Verantwortung, die sich irgendwann nicht mehr wie Gestaltung anfühlt, sondern wie ein Gewicht auf den Schultern. Du bist verantwortlich, wenn der Tag läuft, wenn das Team funktioniert, wenn die Gäste zufrieden sind, wenn die Zahlen stimmen und selbst unter maximalem Druck alles irgendwie sauber durchgeht. Das wird vorausgesetzt, selten gesehen, noch seltener wirklich gewürdigt. Und wenn es mal nicht läuft? Wenn etwas nicht bestellt wurde, wenn ein Gast sich beschwert, wenn irgendwo eine Ecke nicht perfekt ist? Dann gehen die Scheinwerfer an, gefühlt von allen Seiten. Der Fehler wird beleuchtet wie bei einem MRT: „Warum war das so?“, „Das darf nicht wieder vorkommen.“, „Du hast…“. Standardfloskeln nach einem Gespräch, das man schon hundertmal geführt hat. Kein Wunder, dass irgendwann der Gedanke auftaucht: Wenn alles gut läuft, sind alle blind und taub und wenn’s schiefgeht, war ich’s. Diese Art von Verantwortung kann einen langsam, aber sicher kaputtmachen.

Ich erinnere mich gut an eine Situation aus meiner Zeit als Sous-Chef bei einem großen Caterer. Mein Hauptjob war das Vorstandscasino und das Casino der oberen Führungsebene. Anspruchsvoll, aber klar strukturiert. Mein Verantwortungsbereich war definiert. Dann fragte mich einer der Chefs, ob ich am Wochenende bei einem Golfturnier aushelfen könne. „Einfach schauen, dass alles läuft.“ Klang harmlos, also sagte ich zu. Das Wochenende war pures Chaos. Keiner wusste genau, was vorbereitet werden sollte, Lebensmittel und Getränke fehlten, Menükarten waren voller Fehler, zu wenig Personal eingeplant. Der Auftraggeber war völlig zu Recht genervt. Ich habe improvisiert, organisiert, geschoben, gerettet, was noch zu retten war. Eigeninitiative, Verantwortung übernommen, damit das Ding nicht komplett gegen die Wand fährt. In der darauffolgenden Woche kam genau der Chef auf mich zu, der mich gebeten hatte auszuhelfen und begann, mir die Schuld für das Desaster zu geben. Ich war damals noch jung und ehrlich gesagt naiv im Umgang mit Führungskräften. Ich habe die Verantwortung geschluckt, obwohl ich weder geplant noch organisiert hatte, obwohl ich auf vieles gar keinen Einfluss hatte. Diese Nummer hat lange nachgewirkt: Selbstzweifel, Grübeln, das Gefühl, versagt zu haben, obwohl es objektiv nicht mein Fehler war. Bis mir irgendwann klar wurde: Diese Verantwortung, die mir da aufgeladen wurde, war nicht meine. Und sie war alles andere als gesund. Schlimmer noch: Sie wurde als selbstverständlich angesehen. Ich habe das zu lange mit mir machen lassen, bis Körper und Kopf sehr deutlich „Stopp“ gesagt haben. Da wurde mir klar: Ich lade mir Verantwortung anderer auf, als wäre ich ein Lastenesel. Ich bin der Punchingball für Fehler, auf die ich keinen Einfluss habe. Und genau da musste sich etwas ändern. Ich musste mich schützen, nicht aus Ego, sondern aus Verantwortung. Verantwortung für mein Team, für meine Gäste, für meine Kollegen, für meine Küche und ja, auch für mich selbst. Ich habe gelernt, Grenzen zu ziehen, damit Qualität nicht leidet, damit Menschen nicht verbrennen und damit Verantwortung wieder das wird, was sie sein sollte: Eine bewusste Entscheidung und keine Selbstaufgabe. Das war einer dieser Momente, in denen ich aufgehört habe, der Lastenesel anderer zu sein, und angefangen habe, eine Führungskraft mit Rückgrat zu werden.


Genau hier setzt mein systemisches Business Coaching an, um dich in deinem eigenen Denken und Handeln zu begleiten. Es geht darum, Klarheit zu gewinnen: Welche Verantwortung liegt wirklich bei dir und welche Last wird dir nur aufgebürdet, weil andere ihre Unsicherheiten oder Fehler auf dich abwälzen? Wann wirst du zum Lastenesel für Dinge, die gar nicht dein Bier sind, wie beim Chaos am Wochenende beim Golfturnier, wenn Personal fehlt, Menükarten voller Fehler sind und alles drängt? Im Gastroalltag bedeutet das konkret: Du erkennst die Momente, in denen du handeln musst, entwickelst ein Gespür dafür, wann Grenzen nötig sind, und triffst Entscheidungen, hinter denen du wirklich stehst, selbst wenn sie unbequem sind oder spürbare Konsequenzen haben. Gleichzeitig lernst du, deine Verantwortung klar zu sehen, nicht für andere, sondern für dich selbst, dein Team und deine Gäste. Zu viel Verantwortung, vor allem die falsche, macht müde, zermürbt und raubt die Energie. Wenn du lernst, dich abzugrenzen, behältst du den Überblick im Tagesgeschäft, schützt Dich, deine Mitarbeiter und sorgst dafür, dass Qualität, Motivation und Ressourcen stimmen. Genau dort, wo der Druck spürbar wird: im echten Gastroalltag.


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