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Warum deine besten Mitarbeiter nicht kündigen, sondern erst still werden

bkiffner
16. Juni
3 Min. Lesezeit

Mit „still werden“ meine ich nicht, dass Mitarbeitende plötzlich gar nichts mehr sagen. Ich meine etwas viel Gefährlicheres. Das stille Nachlassen. Den schleichenden Leistungsabfall. Den langsamen Weg vom engagierten Mitarbeitenden hin zum reinen Funktionieren. Konkret erkennt man das oft an kleinen Dingen. Plötzlich kommen weniger Ideen. Der Humor verschwindet langsam und wird durch Ernsthaftigkeit ersetzt. Die Eigeninitiative gerät stillschweigend ins Wanken. Aus einem früheren „Ich kümmere mich drum“ wird immer häufiger einfach nur noch Dienst nach Vorschrift. Das sind Warnsignale und genau diese muss man als Führungskraft erkennen.

Einfach ist das nicht. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, weil ich genau das selbst oft genug übersehen habe. Vor allem bei den wirklich Guten. Denn die lautesten Warnsignale kommen selten von den Besten. Die Besten kompensieren diese zuerst. Sie tragen mehr. Sie übernehmen mehr. Sie halten länger durch. Warum? Weil sie loyal sind. Weil sie Verantwortung spüren. Weil sie keine Last sein wollen. Der Gedanke dahinter ist oft: „Ich zieh das schon durch.“ Und genau das macht es so gefährlich.

Was von außen nach Belastbarkeit aussieht, ist manchmal schon längst Überlastung. Viele starke Mitarbeitende senden keine Hilferufe. Sie senden erstmal Leistungssteigerung. Deshalb interpretieren viele Führungskräfte, mich eingeschlossen, diese Situation falsch. Man denkt: „Läuft doch.“

Obwohl das Einzige, was gerade läuft, reine Kompensation ist.


Aus diesem Grund musst du früher hinschauen und dafür musst du dein Team kennen. Für mich ist das sowieso einer der wichtigsten Bestandteile guter Führung: Nicht kontrollieren. Kennen!

Frag dich deshalb ehrlich:


• Wer sagt plötzlich weniger, obwohl die Person früher Ideen, Lösungen und Verbesserungen eingebracht hat?

• Wer fragt nicht mehr nach, obwohl früher echtes Interesse an Abläufen, Strukturen oder Entwicklung da war?

• Wer vermeidet Extras, obwohl genau diese Person früher andere mitgezogen hat?

• Wer wirkt nur noch funktional? Fast schon wie ein Roboter im Dienstplan?


Das sind die Momente, in denen dein Führungsstil anfangen sollte, neugierig zu werden. Nicht wertend. Neugierig. Denn die eigentliche Frage lautet: Was steckt hinter diesem stillen Wandel? Die unbequemere Frage: Welchen Anteil habe ich als Führungskraft daran?

Hier kommt Prävention ins Spiel, und Nein: Prävention bedeutet nicht Obstkorb, Team-Event oder Pizzaabend. Prävention beginnt deutlich früher. Zum Beispiel damit, Belastung sichtbar zu machen. Damit meine ich nicht nur zu schauen, ob Aufgaben erledigt werden, sondern wie sie erledigt werden.


• Wer macht ständig Extras?

• Wer springt immer ein?

• Wer trägt emotional das Team?

• Wer korrigiert ständig die Fehler anderer?

• Wer übernimmt schlechte Vorbereitung einfach stillschweigend mit?


Wenn Belastung unsichtbar bleibt, wird Überforderung irgendwann Normalität. Der nächste Punkt: Gespräche früher führen. Nicht erst reden, wenn Leistung abfällt oder die Kündigung auf dem Tisch liegt. Sondern regelmäßig fragen:


• „Wie geht es dir aktuell mit deiner Belastung?“

• „Was kostet dich gerade am meisten Energie?“

• „Wo brauchst du Unterstützung?“

• „Was läuft aktuell nicht gut?“


Diese Gespräche müssen nicht groß sein. Sie müssen dafür  früh stattfinden. Dann kommt ein Punkt, den viele massiv unterschätzen: Anerkennung und Ressourcen. Anerkennung bedeutet nicht nur Lob. Es bedeutet sichtbar machen: „Ich sehe deinen Einsatz.“ Ressourcen bedeutet: Hat die Person überhaupt die Zeit, die Unterstützung, die Werkzeuge und die Rahmenbedingungen, um dauerhaft gute Leistung zu bringen? Denn Motivation kompensiert schlechte Systeme nur für eine gewisse Zeit. Jetzt der vielleicht wichtigste Punkt: Betrachte Leistung niemals als Normalzustand. Nur weil jemand dauerhaft liefert, heißt das nicht, dass diese Leistung dauerhaft gesund ist. Viele gute Mitarbeitende werden Opfer ihrer eigenen Zuverlässigkeit. Weil aus Ausnahme irgendwann Erwartung wird und aus Engagement irgendwann Erschöpfung.


Genau an diesem Punkt wird Coaching spannend. Denn viele Führungskräfte reagieren erst auf Symptome. Im Coaching schauen wir deutlich früher hin:


• Welche Dynamiken laufen im Team?

• Wer kompensiert dauerhaft?

• Wo wird Belastung unsichtbar?

• Wie schafft man Strukturen, die gute Mitarbeitende nicht ausbrennen lassen?


Denn am Ende geht es nicht darum, Menschen belastbarer zu machen. Es geht darum, Systeme zu bauen, in denen Menschen nicht still werden müssen.

Vielleicht nimmst du genau diesen Gedanken mit:

Gute Mitarbeitende fallen selten von 100 auf 0. Sie werden erst ruhiger. Dann leiser. Dann still. Wenn es allen auffällt, sind sie oft schon längst weg.


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