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Wenn Loyalität zur Firma krank macht

bkiffner
24. März
4 Min. Lesezeit

…oder besser gesagt: Wann wird Loyalität eigentlich ungesund?

Wenn ich ehrlich bin, könnte ich darüber ein ganzes Buch schreiben. In meiner Gastrokarriere war ich in vielen Betrieben und in erstaunlich vielen Situationen war ich eines ganz besonders: zu loyal.

Ich erinnere mich an unzählige Tage, an denen ich verschnupft, vergrippt, erkältet oder sogar richtig krank zur Arbeit gegangen bin. Einmal sogar mit einer Lungenentzündung. Heute würde ich den Kopf schütteln, aber damals war das für mich völlig normal.

Warum?

Die Antworten kamen erst später. Immer die gleichen Gedanken: „Ich will niemanden hängen lassen.“ „Ich muss stark sein.“ „So ist die Gastro halt.“

Kommt dir bekannt vor, oder?


Das Problem ist: Dieses Verhalten wird dir oft auch noch vorgelebt. In fast jedem Betrieb, in dem ich war, gab es Führungskräfte, die krank zur Arbeit gekommen sind. Nicht, weil sie mussten, sondern weil sie dachten, sie müssten. Und genau das prägt.

Ich erinnere mich an eine Situation, die mir bis heute hängen geblieben ist. Mir ist ein Kanister mit Reinigungsmittel auf den Fuß gefallen, direkt hinter die Stahlkappe. Ergebnis: ein gebrochener Knochen. Schmerzhaft, aber ich konnte noch laufen. Also? Klar, weitergearbeitet. „Geht schon.“ Am nächsten Tag hatte ich frei. Es wurde nicht besser. Also bin ich doch zum Arzt. Diagnose bestätigt, krankgeschrieben. Was dann kam, war fast schon absurd: Ich wurde von meinem Vorgesetzten belächelt. „Weichei“, „Du kannst doch laufen.“ Eine Woche später der Anruf: „Kannst du nicht wieder arbeiten kommen? Ist viel los.“Ich hatte noch zehn Tage Krankenstand. Und was habe ich gemacht? Ich bin arbeiten gegangen. Aus Loyalität zum Unternehmen. Und nicht nur das: Ich wurde sogar gebeten, zu sagen, ich hätte mich gesund schreiben lassen. Also habe ich auch noch gelogen. Ebenfalls aus Loyalität.

Heute denke ich mir: Wie absurd kann es eigentlich werden?


Oder das Thema Urlaub. Zwei Wochen frei, lange angesammelt, da es Resturlaub war. Nach fünf Tagen klingelt das Telefon: „Wir brauchen dich, zu wenig Leute.“ Ich? Natürlich gesagt: „Okay.“ Ein paar Wochen später frage ich nach meinen restlichen Urlaubstagen. Antwort: „Die sind verfallen.“ Das war so ein Moment, der richtig gesessen hat.

Da wurde mir klar: Björn, du gibst hier gerade Dinge auf, die dir niemand zurückgibt.

Deine Zeit. Deine Gesundheit. Deine Energie.

Und wofür? Für ein System, in dem du im Zweifel einfach ersetzt wirst.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was da eigentlich passiert. Diese „Loyalität“ war keine Stärke. Sie war eine Mischung aus Prägung, Erwartung und dem Bedürfnis, es allen recht zu machen. Und ganz ehrlich: Sie hat mich kaputt gemacht. Ich war ständig angeschlagen, nie richtig gesund. Erkältungen kamen immer wieder zurück. Mein Körper hat mir längst Signale geschickt, ich habe sie einfach ignoriert.

Weil ich dachte, das gehört dazu. → Tut es nicht.

Je älter ich wurde, desto mehr habe ich verstanden: Diese Art von Loyalität führt dich direkt in einen ungesunden Lebensstil. Also habe ich angefangen, etwas zu verändern. Schritt für Schritt. Nicht perfekt, nicht von heute auf morgen, aber bewusst. Ich habe angefangen, meine Gesundheit ernst zu nehmen. Mich auszukurieren. Nein zu sagen. Auch wenn Blicke kamen. Kommentare. Dieses typische „Ah, der lässt uns hängen.“ Weißt du was? Mir egal.

Weil ich verstanden habe: Wenn ich mich selbst permanent übergehe, bin ich irgendwann für niemanden mehr da. Weder für mich noch für mein Team. Und das Spannende ist: Mit dieser Veränderung kam etwas zurück, das ich lange nicht gespürt hatte.

Energie. Klarheit. Leistungsfähigkeit. Heute brauche ich ein paar Tage, wenn mich etwas erwischt. Früher habe ich Wochen gebraucht, weil ich nie richtig gesund geworden bin. Das ist kein Zufall. Das ist Selbstverantwortung.


Was heißt das für dich?

Loyalität ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Sie ist wichtig für Teams, für Zusammenarbeit, für Vertrauen. Aber sie hat eine Grenze. Und die liegt genau da, wo du anfängst, dich selbst zu verlieren.

Wenn du krank zur Arbeit gehst, obwohl dein Körper Stopp sagt. Wenn du deinen Urlaub opferst, obwohl du ihn brauchst. Wenn du Dinge tust, die dir schaden, nur um es anderen recht zu machen.

Dann ist das keine Loyalität mehr. Dann ist es Selbstaufgabe.

Genau da setze ich im Coaching an. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einer einfachen, ehrlichen Frage:

Für wen machst du das eigentlich gerade?

In meinem Coaching schauen wir gemeinsam hin: Wo überschreitest du deine eigenen Grenzen? Wo sagst du Ja, obwohl du Nein meinst? Und wo wird Loyalität zu einem Muster, das dich mehr kostet, als es dir gibt?

Du lernst, deine Signale wieder wahrzunehmen. Deinen Körper ernst zu nehmen. Deine Energie zu schützen, auch dann, wenn der Laden brennt. Und vor allem: Du lernst, loyal zu sein – ohne dich selbst dabei zu verlieren.


Fazit

Stell dir zwei Versionen von dir vor.

Die eine: Müde, angeschlagen, immer am Limit. Du ziehst durch, hältst alles am Laufen aber innerlich bist du längst leer.

Die andere: Klar, wach, präsent. Du triffst Entscheidungen, setzt Grenzen, stehst für dich ein und bringst genau deshalb echte Leistung.

Die Frage ist nicht, wie loyal du bist. Die Frage ist: Zu wem?


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